Zeitmanagement für Freiberufler

Oft bekomme ich die Frage gestellt, wie ich mich als Freiberufler täglich selber motiviere für meine Arbeit. Denn als Freiberufler habe ich keine Kollegen, es schaut mir keiner auf die Finger und kontrolliert meine Arbeit.

Zugegeben, am Anfang war das gar nicht so einfach. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich meinen persönlichen Rhythmus gefunden hatte.  Heute läuft mein Arbeitstag immer nach einem festen System ab.

Arbeitsrhythmus als Freiberufler

Mein Arbeitstag startet meist gegen 8 Uhr, weil ich kein bekennender Frühaufsteher bin und dauert oft bis spät in die Nacht hinein. Keine Angst, ich bin kein Workaholic der pausenlos durcharbeitet – wie ihr gleich sehen werdet.

Am Vormittag arbeiten

Vormittags sitze ich von 8 Uhr bis 12 oder 13 Uhr am Schreibtisch und arbeite. In der Zeit erledige ich notwenige Telefonate und schreibe Mails, akquiriere Kunde, schreibe an Texten und Blog-Beiträge, mache Buchhaltung und erledige alle anfallenden Arbeiten. Ich habe kein festes System, was wann gemacht wird. Es ist eher so, dass meine Auftragslage bestimmt, um welche Themen ich mich wann kümmere.

Die ungewöhnliche Mittagspause

Dann genehmige ich mir eine Mittagspause, die oft zwei, drei oder auch vier Stunden lang ist. Das hört sich schon sehr dekadent an, aber ich habe für mich herausgefunden, dass ich nachmittags kaum produktiv bin und ich mich am Schreibtisch eher quäle. Außerdem ist meine Arbeitsleistung zu der Zeit sehr gering und die Fehlerquote hoch. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich mich getraut habe, meinen Arbeitstag für ein paar Stunden zu unterbrechen. Seit ich das für mich entschieden habe, bin ich mit mir und meiner Arbeit zufriedener. Also traut euch, unkonventionelle Wege zu gehen. Ihr seid jetzt euer eigenen Chef.

Meine Mittagspause nutze ich oft für Spaziergänge und Botengänge, für Sport, zum Kochen oder einfach nur um faul auf der Couch zu liegen und ein Buch zu lesen. Auch Arzttermine oder Behörden-Gänge packe ich gerne in diesen Zeitrahmen.

Arbeitseifer am Abend

Am späten Nachmittag oder frühen Abend steige ich dann wieder in meinen Arbeitstag ein und arbeite noch ein paar Stunden. Gerade in den Abendstunden bin ich sehr produktiv und schaffe viel. In diese Zeit versuche ich mir Aufgaben zu legen, die keine Korrespondenz benötigen, weil Kunden und Auftraggeber jetzt meist schon im Feierabend sind.

Motivation und Regeln für Freiberufler

Das mit der Motivation ist tatsächlich so eine Sache als Freiberufler. Oft sind die Verlockungen einfach zu groß. Mein größter Feind ist schönes Wetter. Dann möchte ich am liebsten den ganzen Tag draußen verbringen. Darum habe ich ein paar Tipps und Ticks, die mir helfen, mich täglich neu zu motivieren und mir selber Grenzen zu setzen.

  1. To-Do-Listen schreiben: Was ist heute zu erledigen, welche Aufträge bearbeite ich, wo habe ich Deadlines, die eingehalten werden müssen? Es befriedigt nicht nur ungemein, To-Do-Listen abzuhaken, es hilft auch sehr, sein tägliches Arbeitspensum zu schaffen, ohne etwas zu vergessen. Und wenn die To-Do-Liste abgearbeitet ist, spricht auch nichts dagegen, Feierabend zu machen. Hallo schönes Wetter!
  2. Arbeitsrhythmus herausfinden: Wann seid ihr produktiv, wann eher weniger. Schämt euch nicht, eine lange Mittagspause einzulegen, erst um 11 Uhr mit der Arbeit anzufangen oder nachts zu arbeiten. Das sind die Freiheiten eines Freiberuflers. Ihr müsst eure produktiven und kreativen Phasen nutzen, um das bestmögliche Ergebnis für eure Kunden rauszuholen. Und wenn das nachts um 2 Uhr der Fall ist, dann ist das eben so. Und die Motivation kommt so von ganz von selbst, wenn ihr mit Elan am Schreibtisch sitzt.
  3. Bürokram nicht vergessen: Ja, wer freiberuflich tätig ist, muss neben seinem Broterwerb auch an jede Menge drum herum denken: Umsatzsteuer-Voranmeldung, Werbung für sich und sein Unternehmen, Buchhaltung, und und und. Auch dafür braucht ihr Motivation, weil gerade Steuerkram wohl nicht zu euren und meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört. Schreibt es auf eure To-Do-Liste und plant auch dafür genügend Zeit ein. Zwei-, dreimal gemacht, ist der ganze Steuerkram und die Buchhaltung drum herum halb so wild. Und die Aussicht auf Rechnungen schreiben sollte doch Motivation genug sein. Manchmal startet ich damit sogar in den Arbeitstag, weil es mir zeigt, warum ich hier sitze.
  4. Kühlschrank-Business: Es ist Fluch und Segen zugleich, wenn der Kühlschrank in Sichtweite zum Schreibtisch ist. Im Büro – so unter Kollegen – würde man nie auf die Idee kommen, sich zwischendurch einen herzhaften Fleischsalat aus dem Kühlschrank zu holen. Im Homeoffice schon. Und es ist niemand da, der einem ungläubige Blicke zuwirft. Darum stand ich in den ersten Wochen auch häufiger vorm Kühlschrank und hab diesen geleert. Auch hier eine einfache Regel für mich: Gegessen wird dreimal täglich, so wie früher auch. Frühstück, Mittag, Abendessen.
  5. Prokrastination: Pro… was? Prokrastination ist die leidige Aufschieberitis. Man lässt sich doch zu gern von Kleinigkeiten Ablenken und fluscht, schon ist die Aufmerksamkeit nicht mehr beim eigentlichen Thema. Was dagegen hilft sind klare Regeln. Ich lasse mich gerne von Hausarbeit und Geschirr-Bergen ablenken. Darum gilt bei mir: Würdest du das jetzt in einem Büro mit Kollegen und Chef auch machen? Nein? Dann lass es auch im Homeoffice.
  6. Kleider machen Leute: Ja, ich könnte jeden Tag im Schlafanzug arbeiten. Mache ich aber nicht. Ich gehe in ein Büro, in mein Homeoffice, und auch dort gilt ein Dresscode. Warum? Aus Respekt vor mir und meiner Arbeit. Ich bin es mir wert, mich entsprechend zu kleiden. Außerdem motiviert es mich bei meiner Arbeit, wenn ich ordentlich gekleidet bin.

Ihr seht, es gibt kein Allheilmittel für erfolgreiches Zeitmanagement und Selbstmotivation bei Freiberuflern. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Aber es gibt ein paar Eckpunkt, an denen ihr euch entlang hangeln könnt. Das wichtigste ist wohl: Ihr seid jetzt euer eigener Chef und selbst für euren Erfolg verantwortlich. Die Regeln macht ihr. Es spielt keine Rolle, wie andere diese Regeln finden.

4 Antworten auf „Zeitmanagement für Freiberufler“

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