Geld verdienen als Freiberufler

Es klingt ja so herrlich idyllisch: Selbstbestimmt von Zuhause aus arbeiten, ohne quengelnden Chef und ohne den Kollegen, der nie seine Kaffeetasse in die Spülmaschine räumt. Ist es auch. Was man bei der ganzen Romantik nicht vergessen darf, ist das Geld. Auch als Freiberufler muss Geld verdient werden, um über die Runden zu kommen. Aber wie viel eigentlich?

Stundensatz als Freiberufler ermitteln

Wer nun sein Gehalt als Festangestellter nimmt um daraus 1 zu 1 seinen Stundensatz als Freiberufler ermitteln will, sollte vorsichtig sein. So einfach ist es leider nicht.

Folgendes Beispiel:

Als Festangestellter haben Sie 3.000 Euro brutto verdient. Das sind bei einer 40-Stunden-Woche 18,75 Euro Stundenlohn. Um als Freiberufler ebenfalls auf 3.000 Euro Monatslohn zu kommen, reichen die 18,75 Euro aber bei Weitem nicht aus. Dafür gibt es verschiedene Gründe:

  1. Als Freiberufler können Sie keine acht Stunden am Tag nur mit geschäftlichen Aufträgen verbringen und Geld verdienen. Man sagt, dass man in etwa die Hälfte seiner Arbeitszeit für administrative Aufgaben einplanen muss. Sie müssen Ihre Buchhaltung machen, Akquise betreiben und Werbung machen. Darum arbeiten Sie vielleicht 40 Stunden pro Woche, verdienen aber nur in 20 Stunden tatsächlich Geld.
  2. Sie müssen Urlaub machen oder sind krank. Als Angestellter genießt man den Luxus, auch im Urlaub ein Gehalt zu beziehen. Als Freiberufler ist das nicht so. Wenn Sie nicht arbeiten, gibt es auch kein Geld. Darum sollten Sie die Tage im Jahr berechnen, die Sie realistischer weise Geld verdienen können.
    Beispiel:
    365 Tage pro Jahr
    – Wochenende 2 x 52 Tage
    – Urlaubstage 25 Tage
    – Krankheitstage 10 Tage
    – Feiertage 15 in Bayern
    = 211 Tage
  3. Von Ihrem Stundensatz müssen Sie Steuern, Kranken- und Altersversorgung bezahlen, Rücklagen bilden und und und. Unterschätzen Sie die zusätzlichen Kosten nicht, die auf einen Freiberufler zukommen.
  4. Qualifikationen und Erfahrung erhöht den Stundensatz. Sie sind Spezialist in XY mit jahrelanger Berufserfahrung? Sie haben eine Zusatzausbildung in YZ? Sie arbeiten seit Jahren mit der Spezialsoftware XZ? Um diese Qualifikationen zu erwerben, haben Sie Geld und Zeit investiert. Darum dürfen Sie Ihren Stundensatz anpassen. Ihre Kunden sind gerne bereit, für Spezialwissen Geld auszugeben.

Die eigenen Kosten im Blick haben

Sie sehen, es ist gar nicht so einfach, den Stundensatz als Freiberufler zu bestimmen. Grundsätzlich macht es mehr Sinn, nicht vom Gehalt als Festangestellter auszugehen (darauf kann vielleicht auch nicht jeder zurückgreifen). Vielmehr sollten Sie sich Ihre Kosten ansehen und dann berechnen, wie viel Sie im Monat mindestens verdienen müssen, um alle Kosten zu decken. Also welchen Grundumsatz muss ihr Business abwerfen. Ist dieser Grundumsatz realistisch in Ihrer Branche, in Ihrem Umfeld?

Grundumsatz berechnen:

Sie haben z.B. private und berufliche Kosten in Höhe von 20.000 Euro jährlich. Sie müssten also pro Monat mindestens 1.667 € verdienen, um über die Runden zu kommen. Gewinn wird hier noch nicht erwirtschaftet.

Mindest-Stundensatz, um kostendeckend zu arbeiten:
20.000 € Kosten pro Jahr
/ 211 Arbeitstage
/ 4 Stunden Arbeitszeit pro Arbeitstag
= 23,70 € Stundensatz, nur um die Kosten pro Jahr zu decken (ohne Gewinn)

Überblick zur Kalkulation von Stundensätzen bei Freiberuflern

Grundsätzlich können Sie an Stundensatz verlangen, was Sie wollen. Ist ja Ihr Business. Dabei jedoch folgende Punkte beachten:

  • Was muss ich unbedingt verdienen, um über die Runden zu kommen? Ist das realistisch?
  • Wie hoch ist der marktübliche Stundensatz oder Tagessatz in meiner Branche?
  • Wie viele Tage im Jahr kann/möchte ich Geld verdienen?
  • Welche Kosten kommen auf einen Freiberufler zusätzlich zu?
  • Habe ich finanzielle Reserven, um schlechte Monate durchzustehen?

Es heißt, wer die ersten drei Jahre überlebt, hat es geschafft als Freiberufler. Geben Sie sich und Ihrem Business also Zeit. Rom wurde auch nicht in einem Tag erbaut. 

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